PIEDIGROTTA
Ca. 1 Km. Entfemung vom historischem Zentrum in Pizzo, liegt wenige Metern vom
Meer die kleine Kirche Piedigrotta, größte Expression der volkstümlichen Kunst in Kalabrien und musterhafte, geniale Kreativität der meridionalen Künstler.
Die kleine Kirche, ganz in Tuffstein gegraben und mit einer Wasserquelle aus purem Wasser, ist außer ein Gebetsort auch ein Kunstschatz. Künstler wie Angelo und Alfonso Barone haben mit Spizhackschläge die Grotte erweitert und haben sie dann mit Statuen die das Leben Jesu und der heiligen Mutter Maria repräsentieren, geschmückt. Dort siehst Du eine kleine Grotte mit der Geburt des Jesuskindes, der Esel, der Ochse, die Menschen. In einer anderen Ecke ein Basrelief, gewidmet an die Madonna von Pompei Und kniend ein Priester (Selbstbildnis des Künstlers Angelo Barone).
In einer anderen Grotte San Giorgio (der Schutzheilige von Pizzo) auf einem Pferd, kämpfend mit einem Drachen.
In einer anderen Grotte: ,,Fischfangwunder".
Dann noch San Francesco di Paola der auf seinem Mantel den Stretto von Messina durchquert.
Die Entsetzlichkeit der Kriege.
San Antonio di Padova mit den Waisenkinder.
Eine betende Bernadette vor der Madonna von Lourdes.
Santa Rita neben dem Todesengel und viele weitere Bilder.
Das Ganze mit einer exakten, wahrheitsliebenden Darstellung: Die Expression von Glück, Traurigkeit, Rührung, Begeisterung. Die Blicke die aus den Figuren herrühren und aüsströmen sind unglaublich.
Ein Bühnenbild, einzigartig in seiner Art und in seinen Farben. Die Grotte wirkt magisch. Besonders bei Sonnenuntergang, wenn die Sonne durch kleine F'enster die Figuren erleuchtet. Der Kontrast Licht-Schatten suggeriert dem Ganzen seine Dramatik. Die Stille des Ortes wird nur vom Meeresrausch unterbrochen.
Auch auf die Abstammung der kleinen Kirche, (genau so wie auf die Schifflandung des Königs Gioacchino Murat) erzählt man von einem gewaltigen Meeressturm.
Ende des 6. Jabrhundert segelte ein Schiff am Golf von S. Eufemia. Plötzlich wurde der Himmel dunkel und das Meer stürmisch. Die Matrosen (alle aus Torre del Greco) legten ein Gelübde an SS.di Piedigrotta. (Das Bildnis befand sich in der Kabine des Kapitäns) eine Kapelle zu errichten sobald sie das Land berührten und sie sich alle in Rettung bringen würden.
Das Schiff, trotz Eifer der Matrosen gegen den Meeresstunn, wurde gegen den Felsen geschleudert und ging ganz zu Bruch. Das einzige Stück was ganz blieb war das Bild der Madonna. Die gläubige Matrosen, sinngetreu, fingen an im Felsen zu graben um wie versprochen das heilige Bild niederzulegen und so eine Kapelle des Gelübdes zu errichten. Aus Angst vor Sturzwellen nahmen die heimischen Fischer das Bild und legten es wiederum in einer geschützteren Grotte nieder, sie bauten dann ein Altar.
Eines morgens aber, nach einem gewaltigen nächtlichen Sturm , wurde das Bild nicht mehr an seinem Ort gefunden. Das Meerwasser war in der Grotte eingedrungen und spülte es weg. Aber schon nach wenigen Tagen wurde es wieder am selben Platz wie beim ersten Mal gefunden.
Die Fischer entschlossen sich also das Bildnis wieder dort zu legen wo die Matrosen die erste Kapelle mit dem kleinen Altar errichtet hatten.
Später wurde auch ein kleiner Turm mit der Glocke des Schiffes errichtet, mit dem Datum 1632.
Für ca. 200 Jahren blieb die kleine Kirche von Piedigrotta gleich.
Ende 1800 bis Anfang 1900. Angelo Barone,fasziniert von den Erzählungen der Fischer über Piedigrotta , fühlte tief in seiner Seele dass er unbedingt etwas Besonderes machen musste um das Geschehen würdig zu ehren. Eine
Kirche!
Er verließ der Ort und seine Papierhandlung und zog auf dem kleinen Hügel am Meer.
Er grub weitere 3 Meter im Tuffstein.
Es war harte Arbeit. Angelo Barone allein mit Spitzhacke und Spaten.
Jahr nach Jahr schuf er eine geräumige Grotte in der Mitte und weiterer Raum an den Seiten. Hier und dort ließ er einige Tuffsteinblöcke stehen um dann später Statuen auszubauen. Angelo Barone arbeitete dort bis 1915.
Abgemagert und müde nach so viele Jahre schwere Arbeit, sterbend, zog er sich in seinem kleinen Haus zurück wo in seiner Agonie (erzählt man) die Glocke der Kirche hören konnte. Man hörte die Klänge ohne dass irgendjemand die Leine zog.
Als er starb, wurde die Glocke auf einmal still. Alle wunderten sich.
Die Früchte der Arbeit und des Glaubens war aber nicht verloren, weil Alfonso Barone (Sohn von Angelo) die Arbeit weiterführte. Er verließ sein Beruf als Maler und Fotograf, widmete sich nur noch der Kirche. Er grub immer tiefer, im Herzen des Hügels. Er schuf so noch weitere Gruppen von Statuen, Kapitellen mit hübschen Seraphen (engelhaft) Baseliefs mit heiligen Szenen, Statuen wie S. Giorgio der den Drachen tötet, oder S. Francesco di Paola. Alfonso Barone verbrach 40 Jahre seines Lebens in der feuchten Kapelle. Mit spärlichen und einfachen Mahlzeiten. Oft schlief er dort ein.
Auch er verließ Räume die noch fertig bemalt und ausgebaut werden mussten. Aber niemand übenahm die weitere Arbeit.
Erst 1969, aIs der Bildhauer Giorgio Barone, Neffe der 2 genannten Künstler aus Kanada
wied
er heimkehrte wurde die Arbeit wieder aufgenommen.
Er restaurierte die Statuen und in einer Ecke meißelte er 2 Medaillons ein, Papst Johannes XXIII und John F. Kennedy darstellend.
Ab diesem Zeitpunkt, wurde die kleine Kirche einem tüchtigen, anständigen Fischer anvertraut der zwar alles bewacht, aber leider kein Künstler ist.
Die kleine Kirche, Zeugin des Glaubens und Wunder der Schönheit, ist heute Ziel tausender Besucher und ist natürlich ein der wichtigsten besuchte Plätze in Pizzo. Ist jeden Tag geöffnet.
Jedes Jahr, nach einer 9tägigen Andacht (23. Juni) wird am 2. Juli die Messe für die Madonna delle Grazie zelebriert